Wie geschäftsaktiv ist die ValueNet des Stefan Schadhauser überhaupt noch?

München – Die Arbeitnehmerzufriedenheit ist in Zeiten des Fachkräftemangels für Unternehmen eine wesentliche Wettbewerbsfrage geworden. Wer unzufrieden ist, sucht sich schnell einen anderen Arbeitgeber und nimmt bei einem Jobwechsel seine ganze Berufserfahrung mit. Die so entstehenden Qualifikationslücken können oft nur mit großen Anstrengungen wieder geschlossen werden. Neben der Mitarbeitergewinnung steht deshalb die Mitarbeiterbindung ganz oben auf der Prioritätenliste von Unternehmensführungen. Neben einer Unternehmenskultur der Fairness und Anerkennung spielt das Vergütungssystem eine große Rolle. Ein gutes Gehalt ist dabei nur eine Voraussetzung für Mitarbeiterzufriedenheit. Entscheidend sind auch moderne Arbeitszeitmodelle und Systeme attraktiver Zusatzleistungen, die sogenannten Benefits. Dazu gehören Sonderurlaube, Fortbildungsangebote, Fahrtkosten-Zuschüsse, Dienstwagen, Laptops, günstiges Kantinenessen, Essensmarken, Einkaufsgutscheine, Rabatte, Sportmöglichkeiten und die betriebliche Unterstützung für die private Altersvorsorge. Letzteres ist unter der Bezeichnung betriebliche Altersversorgung (bAV) bekannt und wird staatlicherseits stark gefördert, um der Altersarmut von Arbeitnehmern entgegenzuwirken.
Zahlreiche Unternehmen versprechen im Interesse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Entwicklung moderner Vergütungssysteme, die Gehälter und Benefits unter steuerlichen Gesichtspunkten optimieren. Im weiten Feld dieser sogenannten Entgeltoptimierung ist auch die in München ansässige ValueNet Holding GmbH & Co. KG tätig. Sie hat nach eigenen Angaben rund 120 Mitarbeiter an 11 deutschen Standorten und einem IT- und Dienstleistungszentrum in Spanien. Äußerst selbstbewusst erklärt sich die ValueNet Group zu einem „führenden Anbieter von Dienstleistungen in den Bereichen Compensation & Benefits, Employer Branding, HR Consulting und Optimierung von Vergütungssystemen“. Das 1999 gegründete Unternehmen beschreibt sich unter der Geschäftsführung von Stefan Schadhauser, Peter Freund, Michael Gregory und Sebastian Maaß als „Entwickler und Betreiber der ersten europäischen Plattform zur Konzeption, Kommunikation und Verwaltung von Gehaltsextras und Benefit-Angeboten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber“ und gibt vor, eine Auswahl „der geeigneten Lieferanten zu besten und transparenten Konditionen“ zu treffen.
Auch die ValueNet Financial Services GmbH unter Geschäftsführer Peter Englmann bezeichnet sich als unabhängige Versicherungsmaklerin. Aber was heißt das? Damit ist lediglich gemeint, dass man keine direkte oder indirekte Beteiligung von über 10 Prozent an den Stimmrechten oder dem Kapital eines Versicherungsunternehmens hält, dessen Produkte man vertreibt. Umgekehrt hält kein Versicherungsunternehmen entsprechende Anteile an der ValueNet Financial Services GmbH oder ihren Muttergesellschaften. Damit ist freilich noch nichts über die wirkliche Produkt- und Anbieterunabhänigkeit eines Maklers gesagt. Das sollten Kunden, die zurecht eine ebenso individuelle wie unabhängige Beratungsleistung erwarten, im Hinterkopf haben. Interessant ist auch, dass sich die ValueNet Group gleich mehrfach gegen mögliche Haftungsforderungen von Kunden wegen der Inaktualität oder Unvollständigkeit der von ihr angebotenen Informationen absichert. So heißt es, man übernehme „keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen“.
Der seltsame Aktualitätsbegriff der Unternehmungsgruppe sorgt sowieso für Irritationen. Wer auf deren offizieller Internetseite nach „Aktuellem“ sucht, findet in der gleichnamigen Rubrik als „neueste“ Meldungen solche aus dem Jahr 2016! Überhaupt wurden im gesamten Geschäftsjahr 2016 nur zwei aktuelle Mitteilungen auf der Unternehmensseite veröffentlicht, nachdem es im Vorjahr immerhin vier waren. Offensichtlich hat man potenziellen Kunden nur sehr wenig über das eigene Kompetenzprofil und Leistungsangebot mitzuteilen. Mit Datum vom 1. September 2016 erschien ein Interview der ValueNet Group mit dem „Belohnungsexperten“ Mark Gregg, seines Zeichens Vice President der Incentive Marketing Association Europe, der über die Bedeutung von Gutscheinen für das Personalmarketing sprach. Der reißerische Titel: „Jetzt machen Gutscheine Karriere!“ Die bislang letzte Presseerklärung datiert auf den 24. Oktober 2016 und hat die Überschrift „Arbeitnehmerzusatzleistungen mit der ValueNet Group“. Auf ihrer völlig inaktuellen Internetseite behauptet die Firmengruppe, einen „Jahresumsatz von 30 Millionen Euro und zweistellige Wachstumsraten“ zu haben.
Für unternehmerischen Stillstand statt Wachstum sprechen aber auch die spärlichen Aktivitäten in den sozialen Medien, in denen wirklich erfolgreiche Unternehmen sehr präsent sind. Die Facebook-Seite „ValueNet“ hatte Mitte März 2020 gerade einmal 88 „Gefällt mir“-Klicks, und das Zweitprofil „ValueNet Group“ gefällt sogar nur 38 Personen. Damit unterstützt bloß ein Bruchteil der eigenen Beschäftigten – angeblich hat man ja 120 Mitarbeiter – die Facebook-Aktivitäten des Finanzdienstleisters. Der „aktuellste“ Beitrag auf der letztgenannten Seite ist vom 30. August 2019. Gesucht wurde damals – offensichtlich für das unternehmenseigene „IT- und Dienstleistungszentrum“ – ein HR-Manager auf Fuerteventura.
Social-Media-affiner ist hingegen ValueNet-Geschäftsführer Michael Gregory, der sich bei Facebook als „Unternehmer, DJ, Tänzer, Verliebter, Sportfahrer, Skifahrer, Spieler und vieles mehr“ vorstellt. Er aktualisiert seine Seite fast täglich, aber nur sehr selten hat ein Posting etwas mit der ValueNet Group zu tun. Über sie scheint es auch aus seiner Sicht nichts Mitteilenswertes zu geben. Ist sie überhaupt noch geschäftsaktiv?