Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor PrismaLife AG und ihrem Vertriebspartner Afa AG

Ruggell – Im Januar 2015 übernahm Holger Beitz als neuer CEO die Führung des liechtensteinischen Lebensversicherers PrismaLife, nachdem einige Monate zuvor die bisherigen Vorstände aus ungeklärten Gründen ausgeschieden waren. Vollmundig versprach man mit dem Managementwechsel auch eine strategische Neuausrichtung. Die veränderten Rahmenbedingungen im Lebensversicherungsmarkt – namentlich durch das deutsche Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) – erforderten „Anpassungen in Strukturen und Prozessen“, hieß es. Beitz wähnte PrismaLife in einer günstigen Ausgangslage für den nötigen strategischen Neustart: „Die Niedrigzinspolitik führt zu einer Renaissance der fondsgebundenen Lebensversicherung. Gleichzeitig kommt unsere starke Positionierung im Nettotarif-Bereich den veränderten Anforderungen und dem Bedarf nach mehr Flexibilität im Vertrieb entgegen.“ Um der wachsenden Verunsicherung der Vertriebspartner entgegenzuwirken, plante der CEO nach Unternehmensangaben in der ersten Jahreshälfte 2015 zahlreiche Antrittsbesuche. „Wir wollen Partnerschaften auf Augenhöhe. Das geht nur mit persönlichem Dialog“, sagte Beitz.
Die in Ruggell beheimatete PrismaLife AG sieht sich selbstbewusst als „Pionier für Nettopolicen und Spezialist für Fondspolicen“. Die Geschäftsleitung müssen sich Holger Beitz (CEO) und Volker Schulz (COO) teilen, nachdem der langjährige CFO Marco Metzler Ende April 2020 seinen Hut genommen hat. Das Ausscheiden des Finanzvorstandes bedeutet einen Aderlass für den Lebensversicherer. Verwaltungsratspräsident Helmut Posch würdigt den ehemaligen Manager mit den Worten: „Marco Metzler hat als CFO maßgeblich dazu beigetragen, die strategische Neuausrichtung der PrismaLife umzusetzen. Dazu gehörte insbesondere die Umstellung des Anlageportfolios unter Nachhaltigkeitsaspekten.“
Wie nachhaltig die Portfolio-Gestaltung, ja das ganze Geschäftsmodell der PrismaLife AG wirklich ist, mag jeder beim Blick in deren Geschäftsbericht 2019 selbst beurteilen. Nach dem seit Kurzem vorliegenden Zahlenwerk hat das Liechtensteiner Versicherungsunternehmen im letzten Jahr trotz geringerer Beitragseinnahmen seinen Jahresgewinn erhöhen können. Das Neuvertragsvolumen – gemessen am Annual Premium Equivalent (APE) – ging aber um fünf Prozent zurück. Nach Angaben von CCO Volker Schulz verwaltet man derzeit 141.000 Verträge: „Der Löwenanteil – vor allem in Deutschland – entfällt auf Fondsrentenpolicen ohne Garantien.“ Dabei nehmen Nettopolicen eine herausgehobene Stellung ein. Umso überraschender ist es für Marktbeobachter, dass ihr Anteil im PrismaLife-Geschäftsjahr 2019 auf 69 Prozent sank. 2018 hatte der Anteil am Neugeschäft nach Beitragssumme noch bei 76 Prozent gelegen. Das Portal „Versicherungsjournal.de“ analysiert: „Auch bei den Bruttoeinnahmen musste der Versicherer Federn lassen. Sie sanken um 4,1 Prozent auf 132,5 Millionen Euro. Von dem Rückgang waren die laufenden Prämien mit minus 2,3 Prozent und die Risiko-Lebensversicherungen mit minus 0,9 Prozent betroffen. Die Einmalbeiträge gingen um 28,3 Prozent zurück. Das Neugeschäft gegen laufende Prämien verringerte sich um 0,2 Prozent. Das bedeutete eine um 4,7 Prozent rückläufige APE.“ Der auffälligste Befund ist der Rückgang der Beitragseinnahmen und des Neugeschäfts.
Es lässt sich schwer einschätzen, welchen Anteil an dem äußerst durchwachsenen Geschäftsergebnis die Verbraucherzentrale Hamburg hat, die am 27. März 2018 vor der PrismaLife AG und ihrem Vertriebspartner Afa AG warnte. Die Verbraucherschützer kritisierten unkündbare Nebenvereinbarungen und unangemessen hohe Provisionen für den Vertragsabschluss. Die Afa AG schließe unkündbare Vergütungsvereinbarungen mit den PrismaLife-Kunden, wodurch die Verbraucher selbst dann noch Abschlusshonorare zahlen müssten, wenn sie ihre Lebensversicherung auflösen wollten. Außerdem lägen die Afa-Abschlusshonorare für Lebensversicherungen weit über den üblichen Marktpreisen. Der Rat der Hamburger Verbraucherzentrale lautet daher: „Lassen Sie besser die Finger von den Produkten dieses Anbieters.“ Die PrismaLife AG wies die Darstellung der Marktwächter umgehend zurück und bezeichnete sie als „falsch“ und „markenschädigend“. Die vielkritisierte Afa AG unter Vorstandschef Sören Patzig sei keinesfalls „die Vertriebsagentur der PrismaLife“, sondern lediglich einer von vielen Vertriebspartnern.
Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht sich mit Verweis auf zahlreiche Kundenbeschwerden im Recht und hält an ihrer Kritik vom Frühjahr 2018 fest. Am 24. Oktober 2019 bekräftigte sie in einem Online-Artikel ihre Position. Dort wurde argumentiert: „Die in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen dokumentierten Verträge der Afa AG weisen Abschlusshonorare aus, die weit über den gängigen Provisionen und Honoraren am Markt liegen. Abhängig vom Zeitpunkt des Vertragsschlusses betragen die Abschlusskosten für Lebensversicherungen in den ersten fünf Jahren üblicherweise zwischen 2,5 und vier Prozent des Beitragsvolumens.“ Die Afa stelle ihren Kunden für die Vermittlung von PrismaLife-Verträgen ungefähr das Doppelte in Rechnung, monierten die Verbraucherschützer.
Neben der Höhe der Abschlusskosten bemängelten sie die Vergütungsvereinbarung insgesamt, die die Afa mit Kunden von PrismaLife trifft. Diese regele die Vergütung für die Vermittlung des Versicherungsvertrages, sei unkündbar und immer in voller Höhe zu zahlen, selbst wenn der Lebensversicherungsvertrag bei PrismaLife gekündigt werde. Die Marktwächter stellten fest, dass die Vergütungsvereinbarung und die Lebensversicherung zwei voneinander unabhängige Verträge sind, weil es sich bei der Afa um einen zweiten Vertragspartner handelt. Meist würden Abschlusshonorare im eigentlichen Lebensversicherungsvertrag geregelt und deren Zahlung auf die ersten fünf Beitragsjahre verteilt. Kündige der Kunde seinen Vertrag innerhalb dieses Zeitraums, ende auch die Zahlungspflicht für weitere Abschlusskosten. Bei den Verträgen von PrismaLife sei das aber anders. „Auch nach Kündigung der Versicherung bleibt die Zahlungsverpflichtung aus der Vergütungsvereinbarung mit der Afa bestehen.“
Sandra Klug, Teamleiterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hamburg, erklärte: „Grundsätzlich befürworten wir eine gesonderte Vergütung für die Beratungsleistung, losgelöst vom Vertragsabschluss. Im Falle der Afa haben wir jedoch Zweifel, ob man von einer unabhängigen und umfassenden Beratung sprechen kann. Aus unserer Sicht besteht die vergütete Leistung allein im Verkauf von Lebensversicherungsverträgen. Und das auch noch zu einem völlig überzogenen Preis.“
Der Geschäftsbericht der PrismaLife 2019 weist niedrigere Beitragseinnahmen und ein schrumpfendes Neugeschäft aus.