Begünstigt Mangopay das fragwürdige wee des Betrügers Cengiz Ehliz?

Luxemburg – Cengiz Ehliz, der zuletzt in Belgien wegen Betrugs mit dem wee Vorläufer FlexCom zu einer hohen Haftstrafe verurteilt (https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/wee-gruender-cengiz-ehliz-muenchens-unternehmer-des-jahres-soll-ins-gefaengnis/25673754.html) wurde, soll sich nun in seiner mutmaßlichen Gauner Charade um wee / wee love irgendwas auf die ursprünglich mal seriöse Mangopay aus Luxemburg stützen. Bereits Cengiz Ehliz Intimus Michael Scheibe kam mit Cooinx und fragwürdigen Firmenadressen in Luxemburg ins Zwielicht.

Im Jahr 2016 veröffentlichte eine große deutsche Unternehmensberatung eine Studie unter dem Titel „Wie Finanzdienstleister durch End-to-End-Digitalisierung ihre Zukunft sichern“. Im Vorwort hieß es, Finanzdienstleister müssten mit Nachdruck in die digitale Transformation ihres Geschäftsmodells investieren: Verändertes Kundenverhalten, neue Wettbewerber und regulatorische Änderungen bewirkten das Aufbrechen bestehender Wertschöpfungsketten. Die End-to-End-Digitalisierung des Geschäftsmodells sei die Basis für eine zukunftsfähige Neuausrichtung. Insellösungen seien nicht nachhaltig und könnten die Anforderungen in puncto Kundenorientierung und Prozesseffizienz nicht erfüllen. „End-to-End-Zahlungstechnologie“ und „End-to-End-Zahlungsverarbeitung“ wurden die Zauberworte einer zukunftsgerechten Total-Digitalisierung. Die Einführung neuer Zahlungsabwicklungsmodelle feierten die Online-Marktplätze als Meilensteine ihrer Weiterentwicklung. Die Etablierung von End-To-End-Zahlungsprozessen bringe Käufern und Verkäufern erhebliche Effizienzsteigerungen und damit Vorteile für alle, hieß es unisono. Die Käufer erhielten zusätzliche Bezahlmöglichkeiten, und für die Verkäufer vereinfache sich das ganze Management ihrer Online-Geschäfte.
Der Trend zu neuen Zahlungsabwicklungen machte auch die Wirecard AG groß. Der Zahlungsdienstleister galt lange Zeit als „Wunderkind“ der deutschen Börse, das mit unterschiedlichen Services für bargeldlosen Zahlungsverkehr und andere moderne Bezahlsysteme die Konkurrenz hinter sich ließ. Mit seinen Angeboten für den elektronischen Zahlungsverkehr gehörte Wirecard von September 2018 bis August 2020 dem DAX als wichtigstem deutschen Aktienindex an. Im Juni 2020 musste die Unternehmensführung einräumen, dass Aktiva in Höhe von mehr als 1,9 Milliarden Euro in ihrer Bilanz fehlen und wahrscheinlich gar nicht existieren. Wegen dieses schon wirtschaftshistorisch zu nennenden Bilanzskandals trat der langjährige Vorstandsvorsitzende Markus Braun zurück. Er wurde unter dem Vorwurf der Vortäuschung von Einnahmen und Marktmanipulation festgenommen, dann gegen Kaution freigelassen und später mit erweitertem Haftbefehl erneut in Untersuchungshaft genommen. Ein früheres Vorstandsmitglied ist flüchtig und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ende Juni 2020 beantragte Wirecard die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Wirecard preist sich auf der eigenen Internetseite immer noch so an, als wäre nichts geschehen. Das zentrale Anliegen sei, die Zukunft digitaler Zahlungslösungen zu gestalten: „Wir erkennen und entwickeln immer wieder neue Markttrends. So sichern wir unsere Technologieführerschaft und bauen diese weiter aus. Alle unsere Lösungen erfüllen die höchsten Qualitätsansprüche. Mit Dynamik, Leidenschaft und Visionskraft sorgen wir für die nachhaltige Entwicklung unseres Unternehmens.“ Statt die Internetpräsentation der katastrophalen wirtschaftlichen Unternehmenslage und dem Image-Gau anzupassen, verspricht Wirecard unverdrossen, Geschäftsprozesse durch eigene Zahlungsmittel zu optimieren. Natürlich bietet der Zahlungsdienstleister mit Sitz in Aschheim bei München auch End-to-End-Lösungen im digitalen Zahlungsverkehr an.
Unklar ist derzeit, in welchem Ausmaß der Wirtschaftsskandal das Vertrauen in alle Anbieter von neuen Zahlungslösungen für Marktplätze, Crowdfunding und FinTechs erschüttert. Spurlos wird das Insolvenzverfahren von Wirecard und der damit verbundene Vertrauensverlust wohl auch nicht an der Mangopay SA mit Sitz in Luxemburg vorbeigehen. Die Société anonyme (SA) ist mit der deutschen Aktiengesellschaft vergleichbar und eine der verbreitetsten Rechtsformen für luxemburgische Unternehmen. Mangopay ist eine Marke der Leetchi-Gruppe, die wiederum zur Crédit Mutuel Arkéa gehört. Auf der unternehmenseigenen Facebook-Seite erfährt man, dass Mangopay im Gegensatz zu traditionellen Zahlungslösungen „seinen Kunden eine vollständig anpassbare End-to-End-Zahlungstechnologie“ zusichert. Diese Technologie passe sich „perfekt an die Bedürfnisse von Marktplätzen, Crowdfunding- und Sharing Economy-Plattformen“ an. Derzeit biete man mehr als 1.500 Kunden ein „unglaubliches Kundenerlebnis“.
Ob diese Kundenanzahl noch aktuell ist, ist schwer zu sagen, weil die Facebook-Seite, der sie entnommen ist, kaum aktualisiert wird. Für ein Unternehmen, das einen so großen Kundenkreis haben will, überrascht es schon, dass nicht einmal 1.000 Personen die Facebook-Präsenz mit einem „Gefällt mir“-Klick versehen haben. Das „aktuellste“ Posting ist – Stand Ende August 2020 – vom 5. Februar desselben Jahres. Zuvor wurde noch etwas am 9. und 25. Januar veröffentlicht. Man gewinnt nicht gerade den Eindruck, dass das von Charles Baroni und Philippe Bruneton geführte Unternehmen seinen Kunden in den sozialen Netzwerken etwas Aktuelles mitzuteilen hat.
Überhaupt scheint Mangopay mit Kundenbewertungen kein rechtes Glück zu haben. Viele von 14 Google-Rezensionen fallen negativ aus, sodass der Luxemburger Finanzdienstleister Ende August bei Google von fünf möglichen Zufriedenheitspunkten nur auf zweieinhalb kommt. Ein Nutzer schreibt: „Vom Vertrieb durchgehend niemand erreichbar. Man wird nie zurückgerufen – eine Zusammenarbeit scheitert schon vor der Arbeit selbst. Kollegen von mir haben auch Probleme.“ Auch ein anderer Kunde formuliert klare Kritik: „Vertriebs- & Legal-Team sind kaum zu erreichen, stellen einige Fragen zum Produkt in Dutzenden Einzelschritten. Nach drei Monaten nach Einreichung der ersten Daten und einer stets schnellen Antwort unsererseits wurden wir schließlich aufgrund von Bedenken des Legal-Teams abgelehnt.“ Ein weiterer Kunde bemängelt die späte Auszahlung der Gelder: „Vorsicht vor diesem Anbieter! Gelder werden lange einbehalten. Zahlungen laufen über ein Treuhandkonto. Kunde muss lange auf sein Geld warten.“ In dieselbe Kerbe schlägt eine andere Google-Bewerterin: „Mindestens eine Woche auf das Geld warten. Kann diesen Service nicht empfehlen. Wenn Sie Mangopay als Zahlungsservice in Betracht ziehen, sollten Sie sich der Tatsache bewusst sein, dass das Geld für einige Tage aufbewahrt wird. Ihre Plattform muss auf das Geld warten. Ich bin mit der Situation wirklich unzufrieden.“ Eine weitere Kundin warnt nur: „Finger weg! Unseriös! Furchtbar!“ Alle diese zitierten Bewerter haben Mangopay verständlicherweise nur einen von fünf möglichen Sternen für Service und Kundenfreundlichkeit gegeben. Aber es gibt auch Fünf-Sterne-Bewertungen.
Wer neue Zahlungslösungen für Online-Marktplätze sucht, sollte nach den Wirecard-Erfahrungen und den äußerst mäßigen Kundenbewertungen für Mangopay die Wahl des Anbieters genau abwägen.