Andreas Baese von der Berformance Group lockt mit Verdienstchancen via Bitcoin

Erfurt – Na wenn dem einschlägig bekannten Andreas Baese das mal einer glaubt: „Unser Versprechen ist es, Innovationen zu schaffen, die unseren Kunden helfen, ihr gesamtes Potenzial zu entfalten und eine nachhaltige und belegbare Vermehrung ihres Kapitals zu erwirtschaften“, liest man auf der Internetseite der Berformance Group aus Thüringen. „In der Zeit des Wertewandels und der Werteorientierung ist es wichtig, einen verlässlichen Partner für alle Eventualitäten an der Seite zu haben, auf den man sich verlassen kann.“ Ist es ein Ausdruck von geschäftspolitischer Konzeptionslosigkeit oder ein Zeichen besonderer kommunikativer Raffinesse, wenn potenzielle Kunden auf der Netzseite eines Unternehmens fast nur mit Nullaussagen konfrontiert werden? In diese Kategorie gehören solche Berformance-Sätze: „Wir entwickeln individuelle Lösungen, um Menschen über ihre Grenzen und Kulturen hinweg gleiche Chancen eröffnen zu können. Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern können wir das Wirtschaftswachstum beschleunigen und das Leben in der Gesellschaft verbessern.“ Gesellschaftsverbesserung ist schon ein ziemlich ehrgeiziges Anliegen. Das gilt besonders für Unternehmen, die doch in erster Linie eine Gewinnerzielungsabsicht haben und für ihren Markterfolg Kunden einen ganz konkreten Nutzen anbieten müssen.
Aber was bietet die Berformance Group nun an? Auf ihrer Facebook-Seite mit gerade einmal 720 „Gefällt mir“-Klicks bezeichnet sie sich als „Ansprechpartner in Sachen Service, Lifestyle, Finance und Mindset im Netzwerkaufbau. Wir bieten eine umfassende Palette an Dienstleistungen für Interessierte, Investoren und Unternehmer.“ So weit, so unkonkret. Auch sieht man sich als „Ansprechpartner in Sachen Krypto, Rendite, freies Leben“ sowie als „Ansprechpartner in Sachen Bitcoin und Co.“ Damit ist immerhin klar, dass es im weitesten Sinne um Dienstleistungen rund um Kryptowährungen und die ihnen zugrunde liegende Blockchain-Technologie geht.
Der 2007 entwickelte Bitcoin ist die weltweit führende Kryptowährung auf Basis eines dezentral organisierten, aber gemeinschaftlich genutzten Buchungssystems – der Blockchain. Die bestätigten Transaktionen werden in der Blockchain fälschungssicher und transparent gespeichert. Ein Bitcoin-Konto, auch Wallet genannt, kann jeder eröffnen, ohne dafür irgendwelche Nachweise erbringen zu müssen. Die Integrität der chronologischen Datenabspeicherung der Blockchain wird durch Kryptographie sichergestellt. Anders als man es vom klassischen Bankensystem kennt, ist bei Digitalwährungen kein zentrales „Clearing“ der Geldbewegungen notwendig. Eigentumsnachweise an Bitcoins werden in Wallets als digitalen Brieftaschen gespeichert, und die Kursentwicklung des Kryptogeldes im Verhältnis zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln folgt der Preisbildung an der Börse. Das Bitcoin-Netzwerk wird von keiner zentralen Institution und keinem Staat kontrolliert. Jeder Computer, der Bitcoins errechnet und transferiert, ist Teil des Netzwerkes. Das ist Chance und Risiko zugleich.
Die Verbraucherzentrale warnte deshalb im Mai 2019 in einem Online-Artikel unter dem Titel „Kryptowährungen: Unseriöse Geschäfte rund um Bitcoin & Co.“ vor erheblichen finanziellen Risiken. In dem Aufklärungstext der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen heißt es: „Im Internet und in sozialen Netzwerken kursiert viel fragwürdige Werbung für Geldanlagen rund um Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum & Co. Oft wird eine sehr hohe Rendite versprochen. Meist bleibt aber völlig unklar, womit man dabei Geld verdienen soll und was das Geschäftsmodell ist. In vielen Fällen handelt es sich vermutlich um verbotene Schneeballsysteme, bei denen man weitere zahlende Teilnehmer werben soll. Auch Betrug ist nicht auszuschließen.“ Die Geschäftsmasche unseriöser Anbieter umschreiben die Verbraucherschützer so: „Sie versprechen finanzielle Freiheit, hohe Rendite oder dauerhaftes passives Einkommen durch Krypto-Mining, Handel oder Investitionen in neue, angeblich zukunftsweisende Kryptowährungen.“ Neben übertriebenen und blumig formulierten Versprechungen sowie mangelnder Transparenz wird ein Firmensitz im Ausland als mögliches Erkennungszeichen für schwarze Schafe im Krypto-Dienstleistungssektor genannt.
Um mögliche Verdachtsmomente zu zerstreuen, weist die FSR GmbH ausdrücklich darauf hin, ihren Firmensitz in Deutschland zu haben. Das Erfurter Unternehmen ist nämlich aufs Engste mit der Berformance Group verbunden und versteht sich als Dienstleister in den Bereichen Finanzberatung, Versicherungen, Immobilien, Unternehmensberatung, Kreditvermittlung, Projektmanagement sowie Im- und Export. Als spezielle Dienstleistung bietet die FSR GmbH von Gerrit Kößling Beratung im „aufstrebenden Bereich Blockchain-Technologie“ an und hat dafür ihre Marke Berformance geschaffen. Die Dachmarke ist aufgefächert in Berformance-Lifestyle, Berformance-Finance, Berformance-Foundation, Berformance-Academy und Berformance-Services.
Als Ideengeber des Ganzen gilt Andreas Baese, der sich selbst als „Kreativ-Coach“ versteht und sich in den sozialen Medien so vorstellt: „Ich gehöre zu Berformance, deren Zweck es ist, mit Menschen zu kommunizieren, um ihnen das Thema Bitcoin, Blockchain und Digitalwährung nahezubringen. Da wir über jahrelanges Know-how und nachweisbare Erfahrung in diesem Bereich verfügen, sind wir in der Lage, ihnen ein breites und für jedes Bedürfnis zugeschnittenes Portfolio an Produkten im kryptischen Bereich anzubieten.“
Baese ist auch Geschäftsführer des „House of Bitcoin“ (HoB), das dieselbe Firmenadresse angibt wie die FSR GmbH. HoB versucht mit einem Online-Shop, der Tassen, Holzbrettchen, T-Shirts etc. mit dem Bitcoin-Logo anbietet, sowie mit Informationsveranstaltungen für Kryptowährungs- und Blockchain-Fans Geld zu verdienen. Baese spricht von „Krypto-Runden“ und „interessanten Gesprächen, tollen Menschen und einer perfekten Betreuung durch das Team vor Ort“. Konkret geht es um die Darstellung großer Verdienstchancen im Bereich der Digitalwährungen, die selbstredend der finanziellen Unabhängigkeit und der Persönlichkeitsentwicklung dienen sollen. Auf der Internetseite der Berformance Group wird als eigenes Ziel ausgegeben, „das finanzielle Leben der Menschen zu verbessern“. Ob man da bei dem Finanzdienstleister aus Erfurt an der richtigen Adresse ist, muss jeder selbst beurteilen. Die Kenntnis des zitierten Artikels der Verbraucherzentrale kann da Hilfestellung geben.